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Presseinformation: Europa wird Hotspot für Invasion von Pflanzen

Nr. 53 - 04.05.2026

Forschende modellieren globale Verbreitung und Artenspektrum gebietsfremder Pflanzen heute und in der Zukunft

 

(pug) Es ist ein Kennzeichen des Anthropozäns, dass Menschen gebietsfremde Arten in Regionen einschleppen. Manche dieser Arten werden invasiv und breiten sich rasant aus. Sie bedrohen einheimische Arten und unsere Lebensgrundlagen, verringern die Erträge der Landwirtschaft und können die Gesundheit beeinträchtigen, etwa durch Allergien. Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Universität Wien und mit Beteiligung der Universität Göttingen hat untersucht, wie sich invasive Pflanzen über den Globus verbreiten. Dabei modellierte das Team Szenarien unter aktuellen und zukünftigen Bedingungen des Klimas und der Landnutzung. Die Hotspots mit dem größten Risiko für die Invasion solcher Pflanzen werden sich demnach verlagern: Gemäßigte Regionen sind zukünftig stärker gefährdet, subtropische dagegen weniger als heute. Für Europa ist das Risiko für die Ausbreitung gebietsfremder Pflanzen in Zukunft weltweit mit am höchsten. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Nature Ecology & Evolution veröffentlicht.

 

Die Forschenden haben Daten zur globalen Verbreitung gebietsfremder Pflanzen mit Einflussfaktoren wie Klima und Landnutzung verknüpft, um das Invasionsrisiko von 9701 Arten zu modellieren. Eine zentrale Grundlage war dabei die GloNAF-Datenbank – ein seit mehr als 10 Jahren laufendes Projekt, an dem sich die Abteilung Biodiversität, Makroökologie und Biogeographie der Universität Göttingen beteiligt. Hier wird das weltweite Vorkommen gebietsfremder Pflanzen-Arten systematisch erfasst. Auf Basis dieser Daten und mithilfe von Artverbreitungsmodellen analysierten die Forschenden aktuelle Muster der Ausbreitung und erstellten Prognosen darüber, wie sich die Pflanzen bis zum Ende des 21. Jahrhunderts weiterverbreiten könnten.

 

Ein Drittel der globalen Landfläche eignet sich den Ergebnissen zufolge derzeit für mindestens 10 Prozent der invasiven Arten. Die meisten dieser „Invasions-Hotspots“ befinden sich in den Subtropen und in warmgemäßigten Regionen, zu denen große Teile Südeuropas gehören. In Zukunft werden sich die Hotspots den Modellen nach in Richtung der Pole verlagern, das heißt in kältere Regionen wie Mitteleuropa. In den mit dem Klimawandel zunehmend heißen und trockenen subtropischen und semiariden Regionen sind weniger invasive Pflanzen zu erwarten. In Europa dürften sie sich mit dem wärmer werdenden Klima hingegen stärker ausbreiten – etwa die aus Nordamerika stammende Beifuß-Ambrosie mit ihren hochallergenen Pollen und die Robinie, die in Wälder und Grasland vordringt. Auch abgelegene Gebiete in borealen und polaren Regionen werden anfälliger. Hier könnten die invasiven Pflanzen unberührte Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen.

 

Auch das Artenspektrum wird sich ändern: Bei einem starken Klimawandelszenario würden sich Gemeinschaften nicht-heimischer Pflanzen in Zukunft vollständig von den aktuellen unterscheiden. Ausbreiten werden sich vor allem Pflanzen, die besonders gut an Wärme angepasst sind.

 

Die Studie unterstreicht die Dynamik pflanzlicher Invasionen im Kontext des globalen Wandels: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass biologische Invasionen künftig stärker dort stattfinden werden, wo viele Menschen leben – und damit auch ihre Auswirkungen zunehmen“, so Prof. Dr. Holger Kreft von der Universität Göttingen. Die Verlagerung der Invasions-Hotspots in dicht besiedelte Regionen der gemäßigten Zone dürfte die Folgen des Klimawandels für einheimische Lebewesen – Pflanzen, Tiere, Pilze und Mikroorganismen – und das Wohlergehen der Menschen verstärken. Die Forschenden betonen daher den Handlungsbedarf: Anhand der Erkenntnisse können Menschen auf der ganzen Welt nun proaktiv auf ihre Region zugeschnittene Maßnahmen entwickeln, um die Schäden durch biologische Invasionen einzudämmen.

 

Originalveröffentlichung: Omer A. et al. The global geography of plant invasion risk under future climate and land use changes. Nature Ecology and Evolution (2026). DOI: 10.1038/s41559-026-03040-2

 

Kontakt:

Prof. Dr. Holger Kreft

Georg-August-Universität Göttingen

Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie

Abteilung Biodiversität, Makroökologie und Biogeographie

Büsgenweg 1, 37077 Göttingen

Telefon: 0551 39-28757

E-Mail: hkreft@uni-goettingen.de

Internet: www.uni-goettingen.de/de/128741.html